Stadtteilfahrt am 10.02.2016

„Hannover Nord/Ost“

Statt trübsinnig zu Hause den Regentropfen nachzuschauen machte sich eine muntere Seniorenschar auf den Weg, Neues und Bekanntes von Hannover zu erfahren. Frau Eckhardt lässt sich dazu immer etwas Besonderes einfallen. Zunächst machte sich unser Bus vom Zentralen Service auf den Weg durch Anderten über die Brücke an der Hindenburgschleuse in Richtung Norden. „Ondertunum“ – das Dorf „hinter dem Zaun“ ist älter als Hannover, war 2015 schon 1030 Jahre alt. Markantestes Bauwerk ist die Schleuse, 1928 vom damaligen Reichspräsidenten eröffnet. Ein Schleusengang für ca. 3 große Schiffe bewegt in ca. 15 Minuten 40.000 Ltr. Wasser pro Kanal, das geht schnell.

Weil es früher gutes Quellwasser in Anderten gab, ließ man gerne seine Wäsche von den dortigen Waschfrauen reinigen. Aus dem früheren Bauernort mit 60 Höfen ist ein Stadtteil mit einem großen Gewerbegebiet geworden. Und dort findet man sogar ein großes Käsedepot mit Käse aus allen Ländern. Hier holen sich Hannovers Händler ihre Ware ab.

Da an der Autobahn bei Höver die Post mächtig gebaut hat, machte der Bus einen Schlenker über das riesige Gelände der DHL, wo alle Pakete der Region umgeschlagen werden. Wer weiß schon, dass DHL ein 1969 in San Francisco von Adrian Dalsey, Larry Hillblom und Robert Lynn gegründeter Paket- und Brief-Express-Dienst ist, daher die 3 bekannten Buchstaben.

Am Anfang von Misburg machte unsere Reiseführerin auf die kath. Herz-Jesu-Kirche aufmerksam, die zu einem sogen. Kolumbarium umgebaut wurde. Dort können Urnen für je 3000 € auf insgesamt 1600 Stellplätzen 20 Jahre gelagert werden. Eine neuere Art von Friedhof! Gegründet wurde Misburg durch Mönche, die vom Bischof Bernward geschickt wurden, dort eine Burg zu bauen. Es gibt zwar noch eine Straße „Hinter der alten Burg“, aber keine Burg mehr. Dort steht nun das Rathaus.

In Misburg findet man aber leider auch ein verseuchtes Gelände der früheren Derag-Neurag, zerfallene Fabrikgebäude mit Denkmalsschutz und ein Schwimmbad, dass mit seinen Schäden nicht aus den Schlagzeilen der Presse heraus kommt. Aber Misburg besitzt als einer der ersten Orte nach dem Krieg ein Schulzentrum, dass der Schwiegervater von Frau Eckhardt erbaut hat. Weiter ist im Ort eine Palativstation mit gutem Ruf. Die Stadtbahn, bisher in Buchholz zu Ende, ist 2015 bis in die Mitte Misburgs verlängert worden.

Buchholz punktet mit schönen Bauernhäusern und einer Grasdachsiedlung, die sogar von den Japanern nachgebaut wurde. Das Oststadtkrankenhaus beherbergt inzwischen Asylanten. Wir wurden an der Noltemeierbrücke auf einen Grenzstein aufmerksam gemacht, der früher die hannoversche Meile von der Celler Meile trennte, da sie verschiedene Größen hatten. Buchholz hat mit der Nikoleikirche den ältesten Kirchturm (aus Raseneisenstein) Hannovers. Es gibt auch einen großen jüdischen Friedhof. Weil nach jüdischen Glauben kein Grab jemals verändert werden darf, wächst der Bedarf an neuen Friedhöfen.

Über die Landschaft am Wietzegraben mit dem bekannten Fasanenkrug – besonders früher ein beliebter Ausflugsort – gelangten wir nach Isernhagen: entstanden aus „Yser“ für Eisen und „Hagen“ für Wald – es ist bekannt für seinen Eisenstein. Aus früheren Höfegruppen bildeten sich vier Bauernschaften:

Niedernhägener (NB) -, Kircher (KB)-, Farster (FB)- und Hohenhorster Bauernschaft (HB).

Über die damalige Handelsstraße kamen Schmiede aus Thüringen und brachten eine neue Technik zur Eisengewinnung mit, wozu allerdings der Wald abgeholzt werden musste, um Holzkohle zu gewinnen. Ein anderer Exportartikel war Hopfen, wovon noch ein alter Hopfenspeicher Zeugnis gibt. Heute züchtet man Pferde in Isernhagen, darum gibt es ein Hufeisen im Wappen.

In Kirchhorst stiegen wir aus dem Bus, um die im 14./15. Jhd. gebaute gotische Kirche St. Nikolai zu besichtigen. Sie besticht durch ihre Helligkeit und schöne Freskenmalerei an Wänden und Decken. Der Kirchenpatron Nikolaus ist gleich dreimal dargestellt. Eine Besonderheit stellt auch der Taufengel dar; er wurde früher zur Taufhandlung von der Decke herabgelassen.

Auf der Rückfahrt über Neu – und Altwarmbüchen (nach den Buchen dort benannt) durchstreifte unser Bus das Gewerbegelände mit dem neuen Riesenmöbelhaus Höffner und den noch im Bau befindlichen Obi-Center.

Als Abschluss der Halbtagesreise führte uns Frau Eckhardt noch zur Deponie in Lahe, die der Zweckverband Abfallwirtschaft Region Hannover (Aha) führt. Weiter gibt es dort eine Müllverbrennungsanlage, bisher von Helmstedt und Braunschweig betrieben, die erst vor kurzem an die Chinesen verkauft wurde.

Beim Zentralen Service angekommen, wurde die aufschlussreiche Fahrt mit einem Mittagessen in der Kantine vom TÜV Nord abgeschlossen.